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SUMMARY:Ich male mit Nadel und Faden - Christiane Neumann
DESCRIPTION:Es gibt Künstlerinnen, deren Werk sich auf den ersten Blick erschließt. Und es gibt jene, deren Arbeiten uns einladen, genauer hinzusehen, langsamer zu werden und Strich um Strich oder Faden um Faden zu entdecken. Zu ihnen gehört Christiane Neumann, geb. Bettge aus Stendal.
Wer diese Ausstellung sieht, begegnet einer beeindruckenden Sammlung textiler Arbeiten und einer künstlerischen Haltung, die über mehr als sechs Jahrzehnte hinweg mit großer Konsequenz gewachsen ist.
Christiane Neumann wurde 1945 in Stendal geboren. Vielleicht ist es kein Zufall, dass gerade das Textile für Christiane Neumann zum bevorzugten Medium wurde. Ihre Eltern besaßen in Stendal ein Modegeschäft.
Textilien gehören zu den ältesten Kulturtechniken der Menschheit. Lange bevor es die Schrift gab, wurde geflochten, geknotet, gewebt, gewickelt, gefaltet, gestrickt, gehäkelt, gequilted und gepatchworked. Patchwork bedeutet ursprünglich, aus Resten etwas Neues entstehen zu lassen. Was im Alltag eine Form der Sparsamkeit war, wird in der textilen Kunst zu einer ästhetischen Neuaussage. Christiane Neumanns Wahlspruch „Ich male mit Nadel und Faden“ symbolisiert das eindrucksvoll.
1974 wurde sie Mitglied des Verbandes Bildender Künstler der DDR, nachdem sie eine Lehre als Gebrauchswerberin in Stendal absolvierte und in Berlin ein Studium als Diplom-Designerin 1970 abschloss. Nach mehrjähriger Designarbeit für die damalige DDR-Fluglinie „Interflug“ wurde sie seit 1976 freischaffende Grafikerin und Szenenbildnerin beim Deutschen Fernsehfunk in Adlershof.
Mitglied im VbK zu sein, bedeutete mehr als eine Formalität. Es war die Anerkennung einer eigenständigen künstlerischen Position innerhalb der Kunstlandschaft der DDR.
Christiane Neumann hat die unendlichen Möglichkeiten des textilen Mediums immer weiter ausgelotet. Wirkliche Meisterschaft entsteht nicht durch ständigen Wechsel, sondern durch Vertiefung.
Nach der Wende, nachdem alle ihre Arbeitgeber abgewickelt waren, gründete sie mit Künstlerfreundinnen das Creativ Centrum Oranienburg, eine außerschulische Bildungseinrichtung mit Angeboten wie Mal- und Zeichenkursen, Druck- und Keramikwerkstatt, Theater und eben auch Patchworkkursen. 1992 bis 2005 war sie die Leiterin und wirkte als Kultur- und Kunstvermittlerin im besten Sinne.
Es ist besonders bemerkenswert, dass Arbeiten zum Lutherjubiläum in den Dauerbestand der Lutherstiftung in Wittenberg überführt wurden.
Mit der Ausstellung ihres Gesamtwerks in ihrer Geburtsstadt schließt sich auf wunderbare Weise ein biografischer Kreis.     
Christiane Neumanns Werke faszinieren durch eine außergewöhnliche Farbdramaturgie. Farben stehen nicht nur nebeneinander. Sie ergänzen und antworten einander. Warme und kalte Töne geraten so in Bewegung. Licht scheint aus den Stoffflächen selbst zu entstehen. Die Materialstruktur übernimmt dabei die Rolle des Pinselstrichs. Der Faden wird zur Linie. Die Naht wird zur Zeichnung. Das Gewebe wird zur Malerei.
(Der Text ist der Laudatio von Prof. Dr. Wolf-D. Hartmann zur Ausstellungeröffnung entnommen.)
LOCATION:Altmärkisches Museum 
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