Fest zum 35. Unabhängigkeitstag der Ukraine in St. Petri
Mit einem großen Fest haben etwa 200 Personen am vergangenen Sonntag in Stendal den 35. Unabhängigkeitstag der Ukraine gefeiert. In der Petrikirche feierte die ukrainisch-orthodoxe Gemeinde einen Fest-Gottesdienst unter der Leitung ihres Priesters, Vater Ivan Bliusiuk. Beim anschließenden Empfang überbrachten Oberbürgermeister Bastian Sieler und Dompfarrer Markus Schütte die Glückwünsche der Hansestadt Stendal und der gastgebenden Evangelischen Stadtgemeinde. Im Rahmen des anschließenden Festkonzertes brachte der ukrainische Chor Stendal unterstützt von einem ebenfalls ukrainischen Vokalensemble aus Magdeburg bewegenden Lieder aus der Ukraine zu Gehör. Zum Abschluss waren die zahlreichen Gäste eingeladen, bei einem großen Buffett mit traditionellen ukrainischen Speisen miteinander ins Gespräch zu kommen.
An dieser Stelle berichtet Vasyl Ostrovskyi:
35 Jahre Unabhängigkeit der Ukraine: Unbeugsamkeit, die verbindet
Am 24. August 2026 begingen Ukrainerinnen und Ukrainer in Stendal gemeinsam mit ihren deutschen Freunden den 35. Jahrestag der ukrainischen Unabhängigkeit. In der historischen Petrikirche feierten sie diesen Tag fern der Heimat – mit Gebet, Gesang, Traditionen und dem gemeinsamen Wunsch nach Frieden. Gerade heute, da sich das Land der russischen Aggression entgegenstellt, hat dieses Datum eine besondere Bedeutung.
Die Feierlichkeiten begannen mit einem Gebet für die Ukraine, ihre Verteidiger und den Frieden. Der ukrainische Geistliche Ivan Bliusiuk rief dazu auf, darauf zu vertrauen, dass aufrichtige Gebete erhört werden. Dompfarrer Markus Schütte erinnerte an den Schmerz, den der Krieg in die Familien gebracht hat, aber auch an die Stärke jener Menschen, die fern der Heimat einander unterstützen und für ihr Land da sind.
Ein besonderer Dank galt der Hansestadt Stendal. Oberbürgermeister Bastian Sieler betonte die Bedeutung von Freiheit und dem Recht eines Volkes, seine Zukunft selbst zu bestimmen. Dabei zog er eine Parallele zum Tag der Deutschen Einheit – denn auch die Deutschen wissen aus eigener Geschichte, wie kostbar Freiheit ist. Auch Dr. med. Larissa Neumann, gebürtige Ukrainerin und Ärztin, richtete Worte der Unterstützung an die Gemeinschaft. Neben ihrem Beruf organisiert sie unermüdlich humanitäre Hilfslieferungen in die Ukraine und schenkt den Menschen das Gefühl, nicht allein zu sein.
Ein zutiefst symbolischer Moment war das Teilen des Korowai, des traditionellen Festbrots. Man isst es nicht allein – man teilt es mit Freunden. Jeder, der ein Stück davon brach, wünschte sich dasselbe: Frieden für die Ukraine. So wurde aus Gastfreundschaft tiefes Vertrauen.
Anschließend erfüllte sich die Kirche mit Gesang. Der ukrainische Chor „Berehynia“ aus Stendal präsentierte Volkslieder, in die auch die deutschen Gäste einstimmten. Der künstlerische Leiter und Akkordeonist Vasyl Ostrovskyi betonte, dass das ukrainische Lied weit mehr als Folklore sei – es ist die Seele und das Gedächtnis eines Volkes, das Menschen verbindet. Mit modernen Liedern setzte der Chor „Svitlo“ aus Magdeburg das Programm fort, während Angela Riebeseel feinfühlig durch den Tag führte. Bei traditionellen Köstlichkeiten klang die Begegnung aus.
In Stendal wurde der Unabhängigkeitstag nicht gefeiert, weil der Krieg vorbei wäre, sondern trotz des Krieges. Denn Unabhängigkeit ist nicht nur ein Datum – der 24. August 1991 – sondern die tägliche Entscheidung, frei zu sein.
Slawa Ukrajini!