„Ein Archivarius muss (…) Schnellkraft, Unternehmungs- und Ausführungsvermögen, Hurtigkeit und Feuer haben. Mit schläfrigen Leuten ist überhaupt wenig, am wenigsten aber an einem solchen Posten ausgerichtet.“ 
Zitat von Frau Unger / Deutscher Archivtag 2024

Das Stendaler Stadtarchiv bewahrt das Archivgut einer der bedeutendsten Städte der Altmark – von mittelalterlichen Urkunden bis zu Fotografien des 20. Jahrhunderts. Wer wissen möchte, wie Stendal wurde, was es heute ist, findet hier die Antworten.

Das Archiv befindet sich innerhalb der historischen Wallanlagen, in den Räumen des ersten Stendaler Gymnasiums. Das Gebäude selbst blickt auf eine bewegte Geschichte zurück. An seiner Stelle stand einst die Kirche der Franziskanermönche und nach einem Brand der Klosteranlage zu Beginn des 16. Jahrhunderts blieb allein das Bibliotheksgebäude erhalten.

Schon früh war man um die Sicherheit der Bestände bemüht. Die erste schriftliche Erwähnung des Stadtarchivs 1724 gilt dem Antrag des Bürgermeisters Johann George Seger, der um die Genehmigung von 6 Reichsthalern 16 Groschen bat – für eine neue Tür samt Schloss, damit das Archiv „... wohl verwahret und in Sicherheit sein möge".

31.03.2026

Aus dem Archiv: Ein Kaufmann und sein Taschenspiegel

Ein kleiner Spiegel erzählt eine große Geschichte

Ein Leben in Stendal

Friedrich Wilhelm Düsedau, wie er mit vollem Namen hieß, wurde am 23. Juli 1888 in Groß Schwarzlosen geboren. Sein Weg führte ihn nach Stendal, wo er bis zu seinem Tod am 24. März 1950 lebte und arbeitete. Am 29. Juli 1919 heiratete er Minna Martha Hellwich, eine Verkäuferin aus Aschersleben, die ebenfalls in Stendal wohnhaft war. Sie überlebte ihren Mann und verstarb am 19. Dezember 1955 in Stendal.

Geschäftseröffnung im Jahr 1919

Das Jahr 1919 war für Fritz Düsedau ein Jahr der Neuanfänge: Im selben Jahr heiratete er – und wagte den Schritt in die Selbstständigkeit. Laut Gewerbeanmeldung Nummer 115 aus dem Jahr 1918/19 eröffnete er am 1. März 1919 im Schadewachten 27 ein Geschäft zum Verkauf von Zigarren, Zigaretten, Tabak und Schreibwaren. Erstmals erscheint sein Name in diesem Jahr auch im Stendaler Adressbuch.

Das Geschäft entwickelte sich offenbar gut: Im Adressbuch 1930/31 ist Düsedaus Laden unter der Adresse Schadewachten 36 mit einem erweiterten Sortiment verzeichnet – „Tabakwaren engros detail, Papier- und Lederwaren". Noch in der Personenstandsaufnahme von 1949 findet sich ein letzter Beleg für das Geschäft, während Fritz Düsedau zu diesem Zeitpunkt im Schadewachten 24/25 wohnhaft war.

Was das Archiv bewahrt

Der kleine Taschenspiegel aus unserer Foto- und Postkartensammlung ist mehr als ein Werbeartikel – er ist ein greifbares Zeugnis des Stendaler Einzelhandels in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Zusammen mit Personenstandsurkunden, Adressbüchern, Gewerbeanmeldungen, der Einwohnermeldekartei und der Personenstandsaufnahme 1948/49 lässt sich das Leben und Wirken von Fritz Düsedau heute noch gut nachzeichnen.

Solche Quellen machen das Stadtarchiv zu einem unverzichtbaren Ort der Erinnerung – nicht nur für die große Politik, sondern auch für die Alltagsgeschichte der Menschen, die Stendal geprägt haben.

Postkarte vom Schadewachten an: Herrn Apotheker Heinemann in Ditzum (b. Emden) Ostfriesland im März 19.... Text: "Gruss aus Stendal Sehr geehrter Herr Heinemann! Besten Dank für die mir freundlichst übersandte Karte die ich bei meiner Ankunft in Stendal als Willkommensgruß vorfand. Auch ich denke mit Vergnügen an die in M. verlebten Tage zurück und sende beste Grüße Joh. Heins"

Quellen: Personenstandsurkunden, Personenstandsaufnahme 1948/49, Adressbücher, Zeitungen, Einwohnermeldekartei, Foto- und Postkartensammlung, Gewerbeanmeldungen (Signatur 703-08 IV)

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